Reparieren statt entsorgen - Café Kaputt geht den anderen Weg

20.06.2014

Bildinhalt: Reparieren statt entsorgen - Café Kaputt geht den anderen Weg  | Aus demoliert mach' ganz: Im Cafe Kaputt in der Merseburger Straße 102 geht das. / Andreas Döring
Aus demoliert mach' ganz: Im Cafe Kaputt in der Merseburger Straße 102 geht das. / Andreas Döring
 

Ungewöhnliches Projekt in Lindenau wird morgen eröffnet / Brassbanditen spielen

Von Andrea Richter

Lindenau. Reparieren statt entsorgen - so lautet die Devise im Cafe Kaputt, das am morgigen Sonnabend in Lindenau eröffnet wird. Von 14 bis 20 Uhr feiert der Verein Leben.Lernen.Leipzig im Hinterhaus der Merseburger Straße 102 den Start seines ungewöhnlichen Projektes. Als Initiatoren freuen sich Lisa Kuhley und Anne Neumann auf viele Gäste, die die Reparatur-Mitmach-Aktionen testen und Musik der Band Brassbanditen, leckere Häppchen, frisch gebrühten Kaffee oder Kakao genießen wollen. Ab Juli beginnt dann der "Reparaturbetrieb".
"Wir haben uns sehr gefreut, dass uns so viele Leipziger schon im Vorfeld tatkräftig unterstützt haben, dass sie Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände gespendet und selbst tatkräftig mit angepackt haben", sagt Lisa Kuhley. Mit Hand angelegt haben unter anderem Bernd Pellerei, der einmal wöchentlich aus Connewitz nach Lindenau kommt, und Barbara Olivia Bock aus der 5. Klasse der Nachbarschaftsschule. "Ich habe geholfen, die Wände zu streichen und dafür auch die Farben gemischt. Außerdem habe ich das Schild für unser Café gestaltet, dabei hat mir ein Sprayer geholfen", erzählt die Schülerin. Das Projekt unterstützt haben aber auch Mädchen und Jungen der Pestalozzi-Schule Böhlitz-Ehrenberg und viele andere. Fördermittel kamen von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, vom Katholischen Fonds und vom Verfügungsfonds Georg-Schwarz-Straße.

Besonders stolz sind die Projekterfinder auf den Leipziger Agenda-Preis 2014 in der Kategorie Idee, den Lisa Kuhley und Anne Neumann im Namen ihres Vereins Ende Mai entgegennehmen konnten. Als Vorbild für das Café Kaputt dienten den Machern die "Repair Cafés" aus den Niederlanden. Der Gedanke: Kaputte Gegenstände sollen nicht vorschnell weggeworfen werden, sondern gemeinsam mit erfahrenen Fachleuten wird nach Möglichkeiten gesucht, sie wieder instand zu setzen. Lisa Kuhley hat schon gelernt, wie's geht: "Ich habe zum Beispiel die Kabel von meinen Kopfhörern wieder angelötet, das war gar nicht so schwierig. Man muss nicht alles gleich wegwerfen, wie oft suggeriert wird."
In regelmäßigen Sprechstunden werden Interessenten angeleitet, Alltagsgegenstände selbst zu reparieren - von Socken über Lampen bis hin zum Mixer oder zur Kaffeemaschine. Schon jetzt gibt es einen Plan, wann was instand gesetzt wird: montags Holz und Spielzeug, mittwochs Technik/Elektro, donnerstags Textilien - und das Ganze immer zwischen 16 und 18 Uhr. Doch wird im Hinterhaus der Merseburger Straße 102 künftig nicht nur gewerkelt, das Café Kaputt soll auch ein Treff zum Schwatzen und Ausspannen sein.

Noch ist nicht alles komplett im Kaputt. Werkzeuge und Maschinen sowie Experten für die Bereiche Holz und Textil fehlen momentan. Wer helfen kann, möge sich melden. Zudem würden sich Lisa und Anne zur Eröffnung auch über gespendeten Kuchen und Grillgut freuen. Geplant ist für den morgigen Nachmittag zudem eine Umsonst-Ecke, für die die Gäste ebenfalls kleine Gegenstände mitbringen und nach Herzenslust tauschen können.

Kontaktaufnahme: E-Mail cafekaputt@lebenlernenleipzig.de; Telefon 0157 81870122

Aus demoliert mach' ganz: Im Cafe Kaputt in der Merseburger Straße 102 geht das. Das ungewöhnliche Projekt geht morgen an den Start. Im Vorfeld der Eröffnungsfeier haben Barbara Olivia Bock, Anne Neumann und Lisa Kuhley (von links) noch alle Hände voll zu tun. / Foto: Andreas Döring

Leipziger Volkszeitung, vom 20. 06. 2014


Nachricht vom 20.06.2014
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