Gesichter der Georg-Schwarz-Straße: Brigitte Nothhaft

28.05.2014

Bildinhalt: Gesichter der Georg-Schwarz-Straße: Brigitte Nothhaft | Kissen mit Tieren oder auch mit Geldbezug werden gern bei Frau Nothhaft gekauft /Foto: E.Engelhardt
Kissen mit Tieren oder auch mit Geldbezug werden gern bei Frau Nothhaft gekauft /Foto: E.Engelhardt
 

Die Reihe „Gesichter der Georg-Schwarz-Straße“ mit jemandem zu beginnen, der in ein paar Wochen seinen Abschied aus der Straße nimmt, ist sicher gewagt. Dennoch verdient Frau Brigitte Nothhaft einen Platz in dieser Rubrik. Sie kam im Oktober 2010 in die Georg-Schwarz-Straße, genauer gesagt ins grüne Eckhaus Weinbergstraße 11, baute den Laden mit aus, richtete ihn ein und dekorierte die Schaufenster mit bunten Kissen, Klammerkleidern und Stoffen. Am 4. November 2010 eröffnete die Schneidermeisterin mit über 60 Jahren ihr eigenes Geschäft in der Magistrale.

Fast vier Jahre lang war sie so gut wie jede Woche vor Ort und nahm die Veränderung der Magistrale mit wahr. Auch das Geschäft wandelte sich. Unter dem Namen „brinotex – Heimtextilien“ war es zuerst ein Laden, in welchem vor allem Sofakissen und Kissenbezüge, Klammerkleider und Bettwäsche für Kinder über den Ladentisch gingen. Mit der Zeit traten immer mehr Kundinnen an Brigitte Nothhaft heran und äußerten ihre Wünsche. „Die Kundinnen wollten dann auch Turnbeutel für ihre Kinder haben und Beutel für Nasswäsche. Also habe ich das genäht. Dann kamen spezielle Motivkissen für Kinder dazu, Motive aus der Tierwelt waren sehr gefragt. Auch das habe ich genäht und ins Sortiment aufgenommen. Diese Kissen wurden auch gern verschenkt.“, erinnert sich Brigitte Nothhaft. Das Angebot im Geschäft veränderte sich mit der Nachfrage der Kundschaft. Tischdecken waren nun gefragt und Hosenanfertigungen. „Mit der Zeit ging der Verkauf etwas zurück. Das lag aber auch daran, dass meine Kunden sich im ersten Jahr gut eingedeckt haben. Meine Sachen halten ja auch lange, da muss man nicht ständig neu kaufen“, erklärt die Schneidermeisterin, die auch für sich selbst fast alles eigenhändig anfertigt. „Ich bin eine Allroundschneiderin. Meine Mäntel, Blusen, Jacken nähe ich alle selber. Der Industrieproduktion vertraue ich nicht, die arbeiten dort nicht sehr qualitätsvoll.“, führt Brigitte Nothhaft weiter aus.

Das zweite Jahr in ihrem Laden bestritt sie vor allem mit Änderungen und Neuanfertigungen. Im dritten Jahr kamen dann die Nähkurse hinzu. Die Nachfrage war schon vorher da. „Ich habe im Januar 2012 mit den Nähkursen angefangen. Als ehemalige Ausbilderin in der Schneiderlehre war das kein Problem für mich. Das Angebot kam so gut an, dass ich am Montag komplett mit Nähkursen ausgebucht bin, den Laden also geschlossen habe, weil wir im hinteren Bereich nähen. Auch Dienstagvormittag von 9:00 bis 13:00 Uhr finden Nähkurse statt. In der Regel geht ein Kurs immer zwei Stunden in der Woche. Manche Frauen kommen aber auch eher zum reden als zu nähen. Das ist in Ordnung. So ein Kurs hat ja auch eine soziale Komponente.“ Auf zwei Teilnehmerinnen ist Brigitte Nothhaft besonders stolz. Diese beiden Mädchen begannen im Alter von 12 bzw. 13 Jahren den Nähkurs und waren gleich sehr engagiert. Nach zwei Jahren sind sie soweit fortgeschritten, dass sich die eine einen Blazer und die andere einen Mantel nähen kann. Brigitte Nothhaft zeigt einen roten mit Pailetten besetzten Stoffrest: „Daraus hat sich das eine Mädchen ein Abendkleid geschneidert und für die Handtasche hat es auch noch gereicht. Das sind schon sehr anspruchsvolle Nähtechniken, die bei mir gelernt worden sind.“

Nicht nur um junge Menschen kümmert sich Brigitte Nothhaft. Bei älteren Damen macht sie sogar Hausbesuche, nimmt Maß für eine neue Hose und bringt diese dann vorbei, wenn sie fertig ist. All die Arbeit hat aber auch eine Schattenseite. „In den vier Jahren hier vor Ort, verlagerte sich das Geschäft vom Internet, wo ich mit meinem Sortiment angefangen habe, hier in den Laden. Mit der Webseitenpflege komme ich kaum hinterher. Auch das Nachnähen bestimmter Angebote, wie Grillschürzen, bleibt auf der Strecke. In den Laden kommen auch immer öfter telefonische Bestellungen rein.“ Nun soll damit Schluss sein. Am 14. Juni 2014 hat der Laden in der Weinbergstraße 11, der mittlerweile „Schneiderwerkstatt Brigitte Nothhaft“ heißt, seinen letzten Öffnungstag. Bis um 16:00 Uhr wird an dem Samstag noch mal geöffnet sein. Kissen, Klammerkleider, Handtücher und andere Textilien stehen dann ein letztes Mal in Leutzsch zum Verkauf. Traurig sind die Kunden bereits, dass der Laden bald schließt. Sei einigen Tagen ist der Schließtag im Schaufenster angekündigt. Warum sie denn jetzt schon in Rente gehe, sie sei doch noch so jung, meinen die einen Kunden. Sie könne doch die 63er-Lösung nehmen, rät ihr ein anderer Kunde. Aber dann schmunzelt Brigitte Nothhaft immer etwas und sagt: „Ich bin doch schon 67 Jahre alt, davon über 50 Jahre im Beruf. Und nach 67 kommt die 68. Da wird es Zeit. Ich will meine Rente noch verjubeln.“ Mit ihrem Ruhestand erhofft sie sich auch mehr Zeit für persönliche Dinge. Ein Enkel von ihr lebt in Dresden: „Der dürfte sich auch über etwas mehr Oma-Zeit freuen.“, verrät Brigitte Nothhaft. Ganz aus der Welt wird sie auch nicht sein. Der Internethandel wird weiter bestehen, die Webseite wird dann auch besser gepflegt sein. Außerdem hat sich Brigitte Nothhaft schon für den Weihnachtsmarkt im Werk 2 mit einem Stand angemeldet. Der Entwicklung der Georg-Schwarz-Straße hat Frau Nothhaft ebenfalls gut getan. Mit ihrem Engagement im Magistralenrat vertrat sie auch die Händlerinteressen vor Ort und entschied über Förderanträge von Neuankömmlingen. Innerhalb der Kundschaft konnte sie wahrnehmen, dass sich das Bild der Magistrale vor allem im Leutzscher Teil verbessert hat, „auch mit dem schön sanierten Haus Georg-Schwarz-Straße 120 gleich gegenüber. Da kamen gleich neue Kunden zum Gardinen kürzen hinzu.“

Für die Zukunft wünscht sie den Hauseigentümern mehr Mut zur Investition: „Das Angebot vor Ort mit Fördermitteln und Magistralenrat ist gut. Damit kann viel bewegt werden. Die Beratung von Magistralenmanagerin Daniela Nuß sollte dahingehend mehr wahrgenommen werden.“ Sie persönlich blickt frohen Mutes in die Zukunft, weiß die Schneidermeisterin doch, dass der Laden ab September 2014 weiter geführt wird. Die neue Betreiberin wird ebenfalls einen Näh- und Änderungsservice anbieten. Hosen werden also auch weiterhin in Leutzsch gekürzt werden können.

Mehr zur Schneiderwerkstatt Brigitte Nothhaft finden Sie hier.


Nachricht vom 28.05.2014
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