Radverkehr boomt in Leipzig

17.12.2016

Bildinhalt: Radverkehr boomt in Leipzig | LVZ 8.12.16
LVZ 8.12.16
 

Verkehrsstudie: Bisher kaum Effekte durch Leipziger City­Tunnel – Radverkehr boomt

VON MATTHIAS PUPPE

Der City-Tunnel hat bisher offenbar nur wenig positive Effekte auf die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) in Leipzig.

Stattdessen fahren die Leipziger immer mehr Fahrrad – vor allem in den innenstadtnahen Ortsteilen und in den großen Wohngebieten rings herum.

Das geht aus den Ergebnissen einer Verkehrsbefragung der TU Dresden hervor, die nun veröffentlicht wurde. Jeweils kurz vor und eineinhalb Jahre nach der Eröffnung der unterirdischen S-Bahn-Röhren in Leipzig wurden mehr als 2000 Messestädter zu ihrem persönlichen Mobilitätsverhalten befragt. Nach Jahren des Niedergangs stieg der Anteil des ÖPNV zwar innerhalb der ersten eineinhalb City-TunnelJahre um 0,5 Prozentpunkte an, rangiert mit 17,6 Prozent aber weiterhin unter
den Zahlen vergleichbarer anderer bundesdeutscher Städte. Das müsste so nicht sein, meinen die Verkehrsforscher: „Der City-Tunnel mit seinem neuen S-Bahn-Netz hat für den Leipziger ÖPNV bis Sommer 2015 noch nicht die Anteile generiert, die erwartet wurden, obwohl viele Rahmenbedingungen für eine stärkere ÖPNV-Nutzung gut sind: Das Liniennetz des Stadtverkehrs in Leipzig weist eine hohe Netzdichte auf“, heißt es dazu in der Verkehrsstudie der TU Dresden.

Fahrradanteil seit 1994 verdreifacht

Dagegen zeigt der Ausbau Leipzigs zu einer Radfahrstadt inzwischen deutliche Erfolge. Innerhalb von zwei Jahren vergrößerte sich der Anteil des Radverkehrs um fast zwei Punkte auf 17,3 Prozent. Gegenüber einer Verkehrsbefragung von 1994 hat sich der Wert sogar verdreifacht.

Nahezu jeder Leipziger verfügt inzwischen über ein Fahrrad – vor 20 Jahren waren es noch halb so viele Zweiräder in Leipzig. „Die Leipziger besitzen nicht nur mehr Fahrräder, sie fahren auch mehr Wege damit“, heißt es in der Studie.

Das Fahrrad sei das einzige Verkehrsmittel in Leipzig, das im vergangenen Jahrzehnt deutliche Zuwächse verzeichnen konnte.

Inzwischen wird in Leipzig prozentual sogar mehr Rad gefahren als in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Postdam, Chemnitz, Halle und Dresden – den anderen Kommunen in der Verkehrsstudie der TU Dresden. Lediglich Bremen ist mit 23 Prozent Fahrradanteil offenbar noch etwas attraktiver auf zwei Rädern.


Pkw-Verkehr bleibt konstant hoch Ungebrochen hoch bleibt aber auch der motorisierte Privat-Anteil im Leipziger Verkehrsstrom bei insgesamt etwa 40 Prozent. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist dabei auch der Prozentsatz von Mitfahrern merklich gesunken. Das beweist wohl auch die Zahl der Pkw pro 1000 Einwohnern: Diese ist seit 2008 von 402 auf 441 gestiegen. Zum Vergleich: 1991 hatte nicht einmal jeder Dritte einen eigenen Pkw.

Nicht zuletzt bleibt noch der Fußverkehr in Leipzig. „Die Tatsache, dass die meisten Menschen grundsätzlich gerne gehen, muss als Chance für die Stadtentwicklung begriffen und befördert werden“, schreiben die Dresdner Verkehrsforscher.

In Leipzig klappt das zunehmend offenbar schlechter, denn seit Eröffnung des City-Tunnels 2013 ging der Anteil der per Fuß zurückgelegten Wegstrecken in der Messestadt um ganze vier Prozentpunkte auf 25,4 Prozent zurück.


Nachricht vom 17.12.2016
Autor: Susanne