Intensive Diskussionen beim Bürgerworkshop: Zwei neue Plätze an den Leutzsch-Arkaden

14.10.2015

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Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Leipzig
 

Am Dienstagabend letzter Woche trafen sich ca. 30 Anwohner, Hauseigentümerinnen, Geschäftsinhaber, Verbandsvertreterinnen, Lokalpolitiker und Mitarbeiterinnen verschiedener Ämter der Stadtverwaltung wie dem Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA), Stadtplanungsamt (SPA) und Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) um über die künftige Gestaltung zweier Plätze an den Leutzsch-Arkaden zu diskutieren.

Zunächst verschafften sich die Teilnehmer_innen des Workshops noch einmal einen Überblick direkt vor Ort. Der bereits im Zuge des Baus des Einkaufszentrums geschaffene dreieckige Platz, der von der Georg-Schwarz-Straße, der Junghanßstraße. und den Leutzsch-Arkaden begrenzt wird, soll im Zuge der Straßenbauarbeiten in der Georg-Schwarz-Straße umgestaltet werden. Einst gab es hier eine auf allen drei Seiten von Straßen umgebene Verkehrsinsel, die als beliebter Treffpunkt auch für junge Paare und solche, die es noch werden wollten, galt und daher bis heute den schönen Namen Liebesinsel trägt. Schon bei der Begehung des Platzes wurden die Probleme, Möglichkeiten und Wünsche in Bezug auf eine Um- und Neugestaltung angesprochen. Einig waren sich die Teilnehmer_innen in Bezug auf die positive Wirkung der neuen Ampel als Querungshilfe der Straße.

Danach wechselte die Gruppe die Straßenseite und widmete sich der sehr breiten Einmündung der William-Zipperer-Straße auf die Georg-Schwarz-Straße, die ebenfalls platzartig gestaltet werden kann. Von den Anwohner_innen wurde bedauernd zur Kenntnis genommen, dass es dabei lediglich um den aktuellen Straßenraum einschließlich des Fußweges geht. Die bis zur Georg-Schwarz-Straße 154 anschließenden brachliegenden Grundstücke, die mit Wiese bewachsen sind und zum Teil als Parkplatz genutzt werden, sind alle in Privatbesitz und können daher nicht mit einbezogen werden. Angesichts des schnellen Wachstums Leipzigs ist es wahrscheinlich, dass hier in absehbarer Zeit wieder mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser errichtet werden. Dies würde die heutige Situation natürlich stark verändern und muss daher bei den Planungen berücksichtigt werden.

Anschließend wurden die Diskussionen im Gemeindesaal der Laurentius-Kirchgemeinde Leutzsch, William-Zipperer-Straße 149, fortgesetzt. Torben Heinemann, Abteilungsleiter Generelle Planung im VTA, erläuterte noch einmal den aktuellen Planungsstand zum gesamten Verkehrsbauvorhaben Georg-Schwarz-Straße von Philipp-Reis-Straße bis Hans-Driesch-Straße und die vom Stadtrat am 17. Juni 2015 beschlossene Vorplanung: http://www.leipzig.de/umwelt-und-verkehr/unterwegs-in-leipzig/georg-schwarz-strasse/.

Die beiden Themen Parkplätze und die Zufahrt zu den Leutzsch-Arkaden über die Junghanßstraße, die schon vorher heiß diskutiert worden sind, wurden erneut aufgegriffen. Die Sperrung des kurzen Stücks der Junghanßstraße bis zur Bischofstraße vor der Spielothek in der Georg-Schwarz-Straße 147 ist aufgrund einer Verlegung der stadteinwärtigen Straßenbahnhaltestelle „Pfingstweide“ in der Vorplanung vorgesehen. Die Zufahrt soll künftig über die Bischofstraße erfolgen. Anwohnerinnen und Gewerbetreibende fürchten jedoch, dass die Bischofstraße den Verkehr nicht aufnehmen kann und dort dann weitere PKW-Parkplätze wegfallen müssten. Zudem würde durch eine Sperrung die Erreichbarkeit der Leutzsch-Arkaden für PKW-Nutzer_innen eingeschränkt. Diese Themen werden wohl auch weiterhin Gegenstand der Debatte bleiben und wurden entsprechend festgehalten. Für den weiteren Verlauf des Abends einigte man sich darauf, den aktuellen Stand der Vorplanung einschließlich der Sperrung als gegeben zu betrachten und sich nun der eigentlichen Platzgestaltung zu widmen.

Tim Tröger vom Planungsbüro StadtLabor als Träger des Magistralenmanagments präsentierte einen bunten Strauß von verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten aus ganz Europa und aus Deutschland, so etwa aus Antwerpen, Jena oder Leipzig-Paunsdorf. Auf dieser Grundlage wurden verschiedene Elemente einzeln diskutiert – durchaus auch kontrovers. So wünschen sie die einen, vor allem etwas ältere Anwohner_innen mehr Bänke zum Ausruhen, während andere fürchten, dass auch diese dann von anderen Gruppen in Beschlag genommen werden, um sich zu treffen und alkoholische Getränke zu konsumieren. Eventuell könnte dieses Problem gelöst werden, in dem verstreut über den Platz mehrere kleinere Sitzbänke oder -würfel aufgestellt werden. Aber auch durch eine stärkere Nutzung des Platzes durch andere Gruppen wie Senior_innen oder Eltern mit ihren Kindern könnte die von vielen als störend empfundene bisherige Nutzung verändert werden. Als ein Beispiel für die Chance zur Veränderung wurde die verabredete alltägliche „Platzbesetzung“ durch junge Mütter und Väter, Omas und Opas einer spanischen Großstadt angeführt.

In Bezug auf die Verkehrsführung wurde das „Jenaer Beispiel“ mit einheitlichem Pflasterbelag und einer von Pollern begrenzten Verkehrsfläche von Gewerbetreibenden als gute Verkehrslösung für die Einmündung der William-Zipperer-Straße gelobt. Diese Lösung ist auch für die Junghanßstraße vorstellbar.

Einhellig gewünscht wurde mehr Grün – natürlich nicht als Rasen, sondern mit weiteren Bäumen und Pflanzkübeln. Es fanden sich bereits erste Gewerbetreibende, die ihre Bereitschaft zur künftigen Pflege dieser Pflanzen erklärten. Derzeit ist die dreieckige Platzfläche durch hohe Absätze begrenzt, die für ältere Menschen mit Rollator oder Rollstuhl nur schwer überwindbare Hindernisse darstellen. Eine möglichst barrierefreie Umgestaltung soll daher das Ziel sein. Anderseits gibt es einen deutlichen Höhenunterschied zwischen dem der Straße und dem Eingang der Leutzsch-Arkaden. Eine zwar flache, aber stark abschüssige Platzfläche ist nur schwer nutzbar. Einig waren sich alle darin, dass es einen ebenen, barrierefreien Zugang von der neuen Ampel an der Georg-Schwarz-straße zum Eingang der Leutzsch-Arkaden geben soll.

Diskutiert wurden weiterhin der Einsatz von Beleuchtung und künstlerischer Gestaltung für den Platz. Auch über weitere Papierkörbe, Hundetoiletten und Fahrradbügel wurde gesprochen. Den nun schon fast traditionellen Weihnachtsbaum auf dem Platz möchten alle unbedingt erhalten. Eine Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes schlug den Einsatz von Wasser vor, z.B. als kleiner, vielleicht sogar von Kindern bekletterbarer Brunnen, erinnerte aber auch an die notwendige Finanzierung für den Bau und den laufenden Betrieb einer solchen Anlage. Der Vorschlag wurde allseits mit großer Begeisterung aufgenommen. Ebenfalls einig war sich die Runde darin, dass der Name Liebesinsel erhalten bleiben soll und der Platz keinen neuen offiziellen Namen braucht. Unter Umständen könnte aber bei der Gestaltung des Platzes auf diesen Namen Bezug genommen werden.

Bei der Einmündung der William-Zipperer-Straße ging es zunächst vor allem um die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden, die für die Planung der Verkehrsführung und der Gestaltung des Platzes, wünschen, dass ihre Lade- und Parkbereiche erhalten bleiben. Angeregt wurde die Ausweisung einer Kombination aus Ladezone und Kurzzeitparkplätzen. Ein Baum an dieser Stelle wäre zwar sehr schön, wurde aber durch Mitarbeiter_innen des VTA als schwer realisierbar eingeschätzt, insbesondere auf Grund der vorhandenen Leitungstrassen und künftiger Abbiegebeziehungen für PKW, Ladefahrzeuge und Radfahrer_innen.

Abschließend wurde nach den Kosten für die Umgestaltung und der möglichen finanziellen Belastung der Hauseigentümer_innen in der Nachbarschaft und nach der geplanten Bauzeit gefragt: Ein Umlegen der Baukosten für die Platzgestaltung auf die Anlieger_innen ist nicht möglich, für den Bau werden eigene Mittel der Stadt und Fördermittel eingesetzt. Die Bauzeit ist von April 2017 bis Jahresende 2018 vorgesehen. Dabei soll aber ein Befahren der Georg-Schwarz-Straße zumindest in Abschnitten für Anwohner_innen möglich sein.

Die Planungen werden nun weiter vorangetrieben. Das Magistralenmanagement wird den Planungsprozess begleiten und darauf achten, dass die in den verschiedenen Beteiligungsrunden angebrachten Anliegen bei der Planung berücksichtigt werden.

Der Plan mit den beiden künftigen Plätzen und Bilder vom Worshop unter https://www.facebook.com/MagistralenmanagementGeorgSchwarzStrasse/posts/1025810700814838 .


Nachricht vom 14.10.2015
Autor: Roman Grabolle