Gelingende Integration – Fakten, Hintergründe, Perspektiven

29.04.2015

Bildinhalt: Gelingende Integration – Fakten, Hintergründe, Perspektiven | Staatsministerin Petra Köpping (3. von links) und Podiumsgäste
Staatsministerin Petra Köpping (3. von links) und Podiumsgäste
 

Am Montag, den 27. April, hatten die beiden Ortsvereine Altwest und Südwest der SPD zu einer Diskussionsveranstaltung „Gelingende Integration – Fakten, Hintergründe, Perspektiven“ ins Diakonissenkrankenhaus eingeladen und etwa 30 Menschen überwiegend aus der Nachbarschaft kamen.

Nach einführenden Worten der beiden Stadtbezirksbeiräte für Altwest Eva Brackelmann und Georg Teichert betonte Pfarrer Dr. Michael Kühne als Geschäftsführer des Evangelischen Diakonissenkrankenhauses und damit Hausherr, dass sich Kirche schon aus ihrer Tradition heraus auch um Migrant_innen kümmern müsse. Ab Mai diesen Jahres werden daher im Zusammenarbeit mit Pandechaion - Herberge e.V. in den Räumen des Diakonissenkrankenhauses auch Deutschkurse für Bewohner_innen der umliegenden Asylbewerberunterkünfte angeboten.

Anschließend stellte die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping die Arbeit ihres Ministeriums und dessen Aufgaben und Ziele vor. Mit 25 Mitarbeiter_innen ist es das kleinste und jüngste sächsische Ministerium, doch konnte es bereits erreichen, dass anstatt der bislang eingeplanten 175.000 Euro jährlich in ganz Sachsen künftig bis zu 150 Millionen Euro insgesamt für Integration zur Verfügung stehen können. Zum Teil hängt dies aber noch vom Ausgang der aktuell laufenden Haushaltsdiskussionen im Landtag an. Sollten es mehr als die für 2015 prognostizierten 15.300 Asylbewerber_innen in Sachsen werden, könne sich diese Summe perspektivisch auch noch erhöhen. Davon sind etwa 8 Millionen Euro für soziale Betreuung und 2 Millionen Euro für Sprachkurse vorgesehen. Künftig können die Sprachkurse schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen beginnen. Außerdem sollen die Kenntnisse und Qualifikationen der Asylsuchenden ermittelt und die Menschen so schnell wie möglich in Arbeit gebracht werden. Unter ihnen sind auch viele Ärztinnen und Ingenieure sowie junge Menschen, die eine Ausbildung anstreben.

35 Millionen Euro sollen Städten mit über 5.000 Einwohner_innen im Rahmen der Städtebauförderung zur Verfügung gestellt werden, um Wohnraum für die dezentrale Unterbringung von Asylbewerber_innen und Flüchtlingen nutzen zu können. Wohnungen in innerstädtischen Lagen können hierfür mit Mitteln der laufenden Städtebauförderung von Bund und Land und zusätzlichen Landesmitteln modernisiert und saniert wieder auf den Markt gebracht anstatt im Extremfall abgerissen zu werden (siehe hierzu auch http://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/197237 ). Weitere wichtige Aufgabenfelder sind die Erarbeitung einer neuen Sportförderrichtlinie, um zum Beispiel neue Trainer_innen mit Fremdsprachenkenntnissen einstellen zu können, und einer weiteren Förderrichtlinie zur Unterstützung des Ehrenamtes. Gleichzeitig betonte die Ministerin, dass sich auch unsere Gesellschaft verändern und eine Willkommenskultur etablieren sollte. Künftig sind Schulungen und Sprachkurse für die Mitarbeiter_innen von Ausländerbehörden, für die Polizei und Lehrer_innen vorgesehen, um auch hier verstärkt interkulturelle und demokratische Bildung zu gewährleisten.

Danach stellte eine Reihe von weiteren Gästen sich und ihre Tätigkeit kurz vor. Prof. Dr. Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig, betonte seine Überzeugung, dass trotz der Demonstrationen von Pegida und Legida und der gewalttätigen Übergriffe auf Unterkünfte von Asylbewerber_innen die liberalen, offenen Menschen in Sachsen in der Mehrheit seien und dass sie dies aber noch stärker öffentlich zum Ausdruck bringen müssten. Björn Mencfeld beschrieb das Fußballtraining gemeinsam mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen beim Sportverein Lindenau 1848. Holger Simmat vom Diakonischen Werk Innere Mission Leipzig e.V. stellte die neugeschaffene Koordinierungsstelle Ökumenische Flüchtlingshilfe Leipzig vor, in der ehrenamtliche Tätigkeiten koordiniert und vernetzt und Kirchgemeinden entsprechend beraten werden. Ina Lackert von Pandechaion - Herberge e.V beschrieb das Ankommen und Leben in der Asylunterkunft Georg-Schwarz-Straße 31. Sonja Brogiato vom Flüchtlingsrat Leipzig e.V. bezeichnete Integration als Ziel eines dauerhaften Prozesses, der auch politisch gewollt und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe transportiert werden müsse. Mit klaren Worten benannte sie bestehende Probleme bei der Aufnahme von Asylbewerber_innen in Sachsen und Deutschland. So wandte sie sich auch gegen den häufig anzutreffenden Nützlichkeitsgedanken, bei dem Menschen in erster Linie nach ihrer Leistungsfähigkeit, Qualifizierung und dem Beitrag zum deutschen Bruttosozialprodukt betrachtet werden. Wir sind jedoch als Gesellschaft verpflichten, auch die Schwächsten „mitzunehmen“, unabhängig von einem ökonomischen Nutzen. Michael Bader von der in Aufbau befindlichen "Refugee Law Clinic Leipzig" die ehrenamtlich organisierte Initiative vor, die sich die rechtliche Beratung von geflüchteten Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, zur Aufgabe gemacht hat. Anja Treichel vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V. in Leipzig beschrieb zum Schluss der Podiumsrunde das Beratungsangebot des bundesweiten Verbandes, das für Menschen mit den unterschiedlichsten Aufenthaltstiteln und z.B. auch für EU-Bürger_innen offen ist. Hier werden ebenfalls rechtliche Tips gegeben, aber auch Paar- und Einzelberatungen angeboten.

Anschließend fanden sich die Podiumsgäste und das Publikum in zwei moderierten Gesprächsgruppen zusammen, bei den Fragen an die einzelnen Gäste gestellt und Ideen für eigene Projekte eingebracht werden konnten. Es bleibt zu hoffen, dass viele der Anregungen zur Integration von Flüchtlingen und zur Willkommenskultur der Leipziger_innen von den Podiumsgästen und aus dem Publikum durch das Sächsische Staatsministerium für Gleichstellung und Integration und die Leipziger Kommunalpolitik aufgegriffen und umgesetzt werden.


Nachricht vom 29.04.2015
Autor: Roman Grabolle